3.8.06

Das sogenannte Glaubensprinzip der "Glaubensmissionen"

„Nach Geld fragen ist unchristlich, habt Ihr den kein Vertrauen in Gottes Versorgung?“, ist eine Frage, der wir uns zuweilen stellen müssen, wenn wir uns mit diversen Marketing-Techniken um Geld für Gottes Reich bemühen. Begründet wird dieser Vorwurf meist mit einem Verweis auf die Vögel unter dem Himmel, die uns Jesus als Beispiel gegeben hat, und die unser Vater doch auch einfach so versorgt. Dazu kommen dann noch praktische Beispiele von wahrhaft christlichen Werken und Einrichtungen, die ihre Versorgung nur aus dem Glauben erhalten würden, die sogenannten „Glaubensmissionen“.

Eigentlich könnte ich gleich zurückfragen: „Arbeiten Sie für Geld? Das ist aber unchristlich, haben Sie denn kein Vertrauen auf Gottes Versorgung?“ Das würde sofort aufdecken, was derjenige, der so fragt, nicht verstanden hat.

Dabei ist die Bibel voll von Beispielen, wie Gottes Sache auf Erden geschieht, indem Gott durch Menschen handelt, die auch wieder von Menschen dazu eingeladen werden. Egal ob Moses Sammlung für die Stiftshütte oder die Sammlung von Nehemia zum Wiederaufbau Jerusalems – immer wurde aktiv um Gaben gebeten. Ja, dieses Geben für Gott nahm zeitweise die Züge fast einer Steuerabgabe an. Trotzdem wird zu eindringliches Fragen oft – natürlich teilweise auch zu Recht -. sehr kritisch gesehen.

Was würden wir zum Leiter eines christlichen Missionswerkes sagen, der in seinem Spendenbrief schreibt: Wenn Sie uns spenden, erhalten sie von Gott einen ganz besonderen Segen. Was sie uns jetzt spenden, dass wird Gott ihnen tausendfach zurückgeben. Außerdem, liebe Gemeinde in Soundso, habe ich einer anderen Gemeinde erzählt, das Ihr so viel geben würdet. Wollt Ihr das Positive, was ich über Euch erzählt habe, auch einhalten? Wenn ihr nicht viel gebt, wäre das sehr blöd. Ich müsstet Euch schämen, wenn Ihr auf diesen Brief nicht wirklich viel spendet! Deshalb prüft und gebt viel Geld auf diesen Brief. Und denkt dran: Gott wird Euch das, was ihr spendet, tausendfach zurückgeben! Wer wenig spendet, wird auch wenig von Gott bekommen. Das wollt Ihr doch nicht, oder?“

Der Verfasser dieses Briefes müsste ich zu Recht einige Kritik anhören. Der Brief kommt allerdings nicht von irgend einem skupellosen christlichen Fundraiser, obwohl hier einige psychologischen, an Manipulation grenzende Überzeugungstechniken angewendet werden – sondern vom heiligen Paulus selbst, nachzulesen in 2. Korinther 8 und 9.

Wie man auch immer zu diesem Brachialfundraisingbrief von Paulus stehen mag, eine Behauptung lässt sich dadurch nicht mehr aufrecht erhalten: Dass direktes fragen nach Geld unbliblisch wäre.

Übrigens ist die Sache mit der sogenannten „Glaubensmission“ umstritten. Der Pressesprecher des Bunds Freier evangelischer Gemeinden, Dr. Arndt Elmar Schnepper, hat sich das „sogenannte Glaubensprinzip der Glaubensmissionen“ in seiner Doktorarbeit vorgenommen.

Darin weist er nach, dass auch die sogenannten Glaubensmissionen das „Glaubensprinzip“ nicht in letzter Konsequenz durchziehen konnten: „Entweder kommt es bei den ältesten deutschen Glaubensmissionen gar nicht zur Anwendung des sogenannten Glaubensprinzips (China-Allianz-Mission) oder es wird flexibel gedeutet (Liebenzeller Mission) oder aber die Praxis wird wegen defizitärer Praktikabilität im späteren Verlauf aufgegeben (Neukirchner Mission)“.

Das gleiche weist er auch dem mittlerweile sehr mythologisierten Georg Müller nach, der die Glaubensmission für seine englischen Waisenhäuser durch seine Vortragsreisen berühmt machte. Dieser hätte sehr wohl Spendenwerbung gemacht, nur eben auf indirekte Weise. Schnepper: „Man vergegenwärtige sich einen Georg Müller, der sein Leben lang durch Europa und die halbe Welt reiste und überall von seinen Waisenhäusern berichtete, die sich ohne Werbung alleine durch Gebet finanzierten. Das war Werbung – nur eben auf einem recht hohen Niveau“.

Nicht unkritisch kann man Müllers Absicht einordnen, durch die Versorgung der Mission nur durch Glauben Gottes Existenz und Wirken der Welt gegenüber zu beweisen. Zu empirischen Gottesbeweise dieser Art lässt sich Gott erfahrungsgemäß ungern einspannen.

2 Comments:

Anonymous joerghapke said...

Ich stimme zu.
Den Verweis auf die Bergpredigt und den Aufruf, sich keine Sorgen zu machen, halte ich in diesem Zusammenhang auch noch aus anderen Gründen für nicht angebracht: a) sich nicht zu sorgen heißt hier nicht, dass man nicht planen und verantwortlich leben und wirtschaften soll. Denke ich. b) Ich würde auch einen Unterschied machen zwischen der Sorge um die eigene Existenz und der „Sorge“ um Gottes Mission. Beim ersten geht es um einen (in gewissem Maße auch gesunden) „Egoismus“. Bei letzterem geht es um eine „Sache“. Zugegeben, gerade wenn man in einem Missionswerk arbeitet (oder als Pastor von den Spenden seiner Gemeinde abhängig ist etc), gibt es Überschneidungen. c) Ich denke, dass es an dieser Stelle nicht um das Ausschalten unseres Verstandes geht. Den hat Gott uns gegeben um mit unseren „Pfunden zu wuchern“. Es geht um die Einstellung des Herzens: Woran hänge ich? Bin ich bereit, Vertrauen zu lernen? Auf was sehe ich – auf Gott oder auf meine Not, mich selber, und die Reichtümer der Welt?

interessant wäre hier auch die Beschäftigung mit den Texten, wo Jesus seine Jünger ohne Sack und Pack sendet (Lk 9 und 10?). Hier ist Mission echt recht mittellos unterwegs. Ohne Geld ging es aber auch hier nicht ganz, oder zumindest bei Paulus’ Reisen nicht mehr.
Außerdem leben wir heute in einer stark veränderten Welt - alles 1:1 zu übertragen finde ich schwierig.

FRage: der letzte Absatz, Meinung des Autors oder Meinung der thesis von A Schnepper?

Montag, 21 August, 2006  
Blogger matthias said...

Der letzte Satz kommt von mir (Matthias).

Montag, 21 August, 2006  

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